Einflussnahme auf das Verhalten der Besucher

 

Wegesystem und Beobachtungspunkte für den Vogelzug. Die Kernzonen mit Schlaf- und Vorsammelflächen werden saisonal für den Besucherverkehr gesperrt.

Erste Maßnahmen der Besucherlenkung
Die großen Vogelscharen auf den Feldern und vor allem das fantastische Naturschauspiel des abendlichen Kranicheinflugs locken zunehmend Touristen ins Gebiet. Die wenigen vorhandenen Beobachtungsmöglichkeiten – wie die drei Anfang der 1990er Jahre im Linumer Teichgebiet errichteten Beobachtungskanzeln – sind dem Besucheransturm in der Hauptsaison kaum gewachsen. Die von der Storchenschmiede Linum (NABU Berlin) organisierten Führungen sind zwar zu begrüßen, können jedoch nur einen begrenzten Beitrag zur Lenkung des Besucherstromes leisten.
Deshalb wurden im Herbst 2003 die Gebiete mit den wichtigsten Schlaf- und Vorsammelplätzen als Kernzonen ausgewiesen und die Wege dorthin werden seither mit Zustimmung des Landrates (Ostprignitz-Ruppin) für die Öffentlichkeit saisonal gesperrt. Damit einhergehend, informiert der Arbeitskreis Kranichmanagement regelmäßig über die Medien und in einem Flyer über wichtige Verhaltensgrundsätze bei der Beobachtung von Zugvögeln. Mitarbeiter der ebenfalls in dieser Zeit gegründeten Landschaftswacht (s. u.), ehrenamtliche Mitstreiter vor allem des Landschaftsfördervereins Oberes Rhinluchs kontrollieren die wichtigsten Wegesperren und informieren zugleich die Besucher. Für eigene Unternehmungen stehen den Besuchern die drei Aussichtskanzeln im Teichgebiet Linum und mehrere, zum Teil betreute Beobachtungspunkte an den Nahrungsflächen und Einflugkorridoren zur Verfügung.

Rundwege und Beobachtungspunkte für die Kranichrast

Infrastruktur für Naturbeobachter
Mit Hilfe einer ausgewogenen Infrastruktur zur Beobachtung der Zug- oder auch Brutvögel ließen sich die meisten bis heute von Besuchern ausgehenden Störungen vermeiden. Nachfolgend werden verschiedene, im Arbeitskreis Kranichmanagement entwickelte Ideen einer Erweiterung der vorhandenen Infrastruktur vorgestellt.
Zentraler Ausgangspunkt für ornithologisch orientierte Exkursionen ist Linum. Darüber hinaus haben Linumhorst, Kuhhorst, Kremmen, Hertefeld und einige weitere kleine Gemeinden eine gewisse Bedeutung. Gegenwärtig nutzen die Besucher der Luchlandschaft meist das Auto oder Fahrrad und beobachten die Nahrung-suchenden oder rastenden Vögel überwiegend vom Straßenrand aus. Des Weiteren werden gerne die Parkplätze der Ortschaften genutzt, um den Pkw abzustellen und das Umfeld per pedes zu erkunden. Häufig werden hierbei auch Wirtschaftswege auf den Agrarflächen genutzt. Besonders hohe Besucherzahlen weisen die Ortschaft Linum und das benachbarte Teichgebiet mit den drei Beobachtungskanzeln, die auf dem zentralen Hauptweg, dem „Schwarzen Damm“ gut zu erreichen sind auf.
Für ein auszuschilderndes Wegesystem eignet sich insbesondere der Schwarze Damm und ein Rundweg um die Angelteiche. Einige Wege oder Beobachtungspunkte im Teichgebiet und Agrarland (s. u.) liegen deckungsfrei in offener Landschaft. Von ihnen gehen häufiger Störungen aus. In Richtung etablierter Rastflächen sollten diese Bereiche daher mit Hecken bepflanzt werden.
Das Ziel, den Besucherverkehr auf bestimmte Wege zu konzentrieren, ist nur mit Hilfe von Hinweisschildern, Wegemarkierungen bzw. -sperrungen zu erreichen. An zentralen Punkten werden daher Informationstafeln mit einem Überblick zum Wegesystem installiert.
An geeigneten Stellen, eingebunden in das Wege- und Straßennetz, sollten weitere Kanzeln und Unterstände errichtet werden, um die Beobachtung aus gedeckter Position zu ermöglichen. So sind beispielsweise mehrere Beobachtungsplattformen und eine weitere -kanzel entlang des Rundweges im Teichgebiet geplant. Letztere würde erstmals eine unbedenkliche Einsicht auf den größten und ornithologisch außerordentlich interessanten „36’er“ Teich am Ostrand des Linumer Teichgebietes ermöglichen. Die für den zentralen Teil des Teichgebietes vorgesehen Maßnahmen sowie darüber hinaus die Anlage eines Rastplatzes für Wasserwanderer am Amtmannkanal sind bereits Bestandteil eines bewilligten Förderprojektes der Gemeinde Fehrbellin (BRÜGGEMANN 2005). Weiterhin sind eine erhebliche Vergrößerung der nördlichen Kanzel am Schwarzen Damm und der Neubau einer größeren Kanzel nordöstlich der Ortschaft Linum vorgesehen. Die bestehenden Kanzeln im Teichgebiet sind zu rekonstruieren. Damit soll einer größeren Besucherzahl die Beobachtung des abendlichen Kranicheinflugs zur Hauptzugzeit aus der Deckung heraus ermöglicht werden.
In Zusammenarbeit mit Landwirten wird angestrebt, in der Nähe der Ortschaft Linum 1 bis 2 Beobachtungs-Unterstände inklusive Parkplatz in Kombination mit Lock- bzw. Ablenkfütterungen für die Kraniche zu errichten. Selbst größere Besuchergruppen könnten auf diese Weise die Nahrungssuche der Kraniche in relativ geringer Entfernung und ohne zu stören verfolgen. In dem bekannten Kranichrastgebiet an der Ostsee nordwestlich von Stralsund hat sich ein derartiger Beobachtungsstand seit Jahren bewährt.
Auch an die passionierten Tierfotografen sollte gedacht werden. An geeigneten Standorten könnten speziell auf die Fotografie von Kranichen und Gänsen ausgerichtete Versteckhütten unterhalten werden. Selbstverständlich wäre hierbei eine individuelle und auch kostenpflichtige Betreuung durch geschultes Personal erforderlich.